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Damals, Später, Heute

Aufwachsen in Deutschland

Wie ich noch ganz klein gewesen war, da haben wir immer denselben Bundeskanzler gehabt, das war der Helmut Kohl, und auch denselben Ministerpräsidenten, der hieß Johannes Rau. Erst sehr viel später ist mir überhaupt klar geworden, dass wir in einer Demokratie leben, aber da war es für mich schon zu spät gewesen, in so eine Partei einzutreten, denn ich hatte mich bereits vollkommen der Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterKatholische junge Gemeinde (KjG) verschrieben. In diesem Jugendverband habe ich alles gelernt, was ich kann: Schlau daherreden und Gruppen (ver)leiten, rauchen, trinken und knutschen, den Mächtigen ans Bein pinkeln und von einer besseren Welt träumen.

Wobei meine ganz persönliche Welt so schlecht gar nicht war. 1975 erblickte ich im städtischen Krankenhaus Leverkusen das kreissaalhelle Licht der Welt und bewege mich seitdem eigentlich immer in einem Radius von höchstens 50 Kilometern darum herum. Gearbeitet habe ich meistens in Köln oder an Orten, die man mit den Worten „bei Köln“ lokalisiert. Nicht mal zum Studieren habe ich es geschafft, aus Leverkusen wegzuziehen, dafür kenne ich bis heute jeden Grashalm am Bahndamm bis Bonn. Bis SIE mich eines Tages dazu brachte, ausgerechnet in Köln Wohnung zu nehmen, doch davon wird anderswo berichtet, vielleicht aber auch nirgends.

Leverkusen jedenfalls hat mich geprägt, denn für einen Meistertitel von Bayer 04 würde ich meine Seele hergeben (leihweise), und wenn ich nur an Aspirin denke, fühle ich mich gleich frisch und ausgeruht. Daneben kann man in Leverkusen eigentlich nix machen außer ins Zwieback gehen. Bevor ich dafür alt genug war, verbrachte ich meine Tage und viele meiner Nächte, indem ich Geschichten in Schulhefte schrieb. Ritter, Piraten und Fantasy-Helden gingen allerdings in dem Moment in den Ruhestand, als ich anfing, „ernsthaft“ zu schreiben.