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Making of "RaumZeit"

Cover der ursprünglichen Ausgabe 2002

Nie ist ein Roman mit größerer Verzweiflung, tiefer Sehnsucht und heißer brennender Leidenschaft geschrieben worden – jedenfalls nicht von mir. Dabei war am Anfang noch alles ganz easy. Ich hatte zwei Kinderbücher geschrieben und fand, das reichte nun. Ich wollte endlich zum Jugendbuch, denn das war schon immer mein Ziel. Und als ich Pfarrer Werner Kaser kennen lernte, der als Seelsorger im Jugendknast arbeitete, wusste ich sofort: Dieses Thema oder keines. Ich bat ihn, bei ihm zwei Wochen lang hospitieren zu dürfen, um für einen Roman zu recherchieren. Werner war von der Idee angetan und bemühte sich um die Zustimmung der Anstaltsleitung. Die ließ auf sich warten, doch in meinem Kopf formte sich bereits eine Geschichte: Ein junger Mann im Knast, ganz auf sich selbst zurückgeworfen, geht auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Durch seine philosophische Lektüre und die intensive Auseinandersetzung mit dem Knastpfarrer kommt er ganz dicht an seine entscheidenden Lebensfragen und … na ja, weiter wusste ich nicht.

Die Zeit verging, mein Studium näherte sich dem Ende, und kurz, bevor die entscheidenden Klausuren anstanden, war sie plötzlich da: die Erlaubnis für ein zweiwöchiges Praktikum im Jugendstrafvollzug der JVA Siegburg. Ich erlebte zehn Tage im Knast (nur die Tage, abends fuhr ich wieder heim), unterhielt mich stundenlang mit Gefangenen und hätte am Ende zehn Romane schreiben können. Zwei Dinge beeindruckten mich nachhaltig. Erstens die Tatsache, dass es in Siegburg Kunstunterricht mit SchülerInnen „von draußen“ gibt, und zweitens die Möglichkeit, sich beim Hafturlaub aus dem Staub zu machen.

In der Enge des Gefängnisses entwickelte ich aber auch ein Gespür für meine eigenen Unfreiheiten. Obwohl ich natürlich jeden Abend wieder hinauskam und nach Hause fahren konnte, begann ich zu überlegen, wo ich selbst vielleicht gefangen war in meinen bisherigen Vorstellungen und Lebensentwürfen. Die Hosen hatten damals ein neues Album heraus gebracht. Es hieß „Unsterblich“, und so hieß auch das Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterLied, das ich morgens und abends und im Auto hörte. RaumZeit entwickelte ein Eigenleben und schrieb sich fast von allein.

Mein eigenes Leben hat der Roman schließlich auch verändert. Aber das ist eine andere Geschichte und die gehört hier nicht hin ...